Sommerkolloquium des Promotionskollegs 2017

Eine Promotion ist ein Kraftakt – ein Lebensabschnitt, der von Höhenflügen und Durchhängern begleitet wird. Unterstützung bei den fachlichen und persönlichen Herausforderungen leistet das Promotionskolleg. Es lud zum dritten Mal zum Sommerkolloquium. Das Sommerkolloquium dient dem Austausch der Doktorandinnen und Doktoranden über Arbeitsgruppen und Fakultäten hinweg. Es bietet Raum für das Präsentieren und Diskutieren der Inhalte auch vor einem fachfremden Publikum, aber auch für prozessuale Fragen rund um die Kooperative Promotion sowie über Rahmenbedingungen und Weiterqualifikation während der Promotion.

Wie kann die HTWG ihre Promovierenden noch besser unterstützen? Dies war eine Frage während des Sommerkollegs, dessen Programm in diesem Jahr unter der Regie des neu gewählten Direktors Prof. Dr. Hanno Langweg stand. Es wurde deutlich, dass sich die Promovierenden noch stärker über ihre Fachgebiete hinaus vernetzen und sich gegenseitig unterstützen möchten. Ganz konkrete Hilfestellungen standen ebenfalls auf dem Programm: Wie zum Beispiel habe ich mir die Disputatio vorzustellen, die letzte Prüfung nach Abgabe der Dissertation? Arnulf Hörtnagl, der im Bereich Werkstoffkunde promoviert, und sein Betreuer Prof. Dr. Paul Gümpel führten vor den Kollegiaten eine „Generalprobe“ vor. Hörtnagl hätte bestanden – er konnte alle Fragen des Prüfers inklusive diejenigen aus dem Publikum mit Bravour beantworten. Prof. Gümpel erläuterte zudem die wichtigsten Elemente der konkreten Prüfungsordnung, aber auch, worauf es allgemein in einer Disputatio zu achten gilt.

Wohin hat mich die Promotion gebracht? Dies schilderten Dr. Anna Nuñez-Vega und Dr. Stephan Zimmermann. Anna Nuñez-Vega hat im Bereich Verfahrenstechnik über Trocknungsverfahren von Nahrungsmitteln promoviert – weniger aus Karrieregründen als wegen der intellektuellen Herausforderung und der Aussicht, sich einem Thema vertieft widmen zu können. Heute arbeitet sie im Lebensmittel-Qualitätsmanagement der Bühler AG.Dr. Stephan Zimmermann hat im Bereich Wirtschaftsinformatik zum Thema Schatten-IT geforscht und ist nun Geschäftsführer in der von der HTWG ausgegründeten Beratungsgesellschaft BITCO3 GmbH. Ein Forschungsfeld zu beackern, das noch fast brach lag, verbunden mit einem hohen Maß an Anwendungsorientierung, hatte ihn zur Promotion angetrieben.In der anschließenden Runde „Ask the professor“ standen dann alle anwesenden Professoren dem Plenum für alle Fragen rund um die kooperative Promotion sowie die Rahmenbedingungen an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften zur Verfügung. Der Tag wurde mit einem Buffet und Gesprächen im Garten der Villa Rheinburg beendet.

Der zweite Tag war vollständig den Promotionsthemen der Doktorandinnen und Doktoranden gewidmet: Nebst je vier Projekten in zwei Sektionen, einer ingenieurs- und einer wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen, wurden im Plenum drei Forschungsinstitute der HTWG vorgestellt. Stipendiatin Addisalem Hailu Taye sprach über ihre unter der Betreuung von Prof. Werner Hofacker im RELOAD-Projekt entstehende Promotion: Sie forscht in diesem Rahmen an der Verringerung von Nachernteverlusten in Ostafrika,speziell an der Trocknung von Kartoffeln. Julian Rüb, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Modellfabrik, stellte seine Promotion über externe Hürden für die Innovation von Geschäftsmodellen vor, wobei ihn besonders die Stakeholder von Unternehmen interessieren. Simon Grimm, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Systemdynamik, befasst sich in seinem Promotionsvorhaben mit der räumlichen Akustikmodellierung bei verteilten Mikrofonen. In seinem Vortrag stellte er verschiedene Berechnungsmodelle vor, wie sich Störgeräusche wie beispielsweise Windgeräusche aus einem Telefongespräch filtern lassen. Ein Promotionsprojekt aus der Fakultät Bauingenieurwesen stellte Laura Müller vor. Sie beschäftigt sich mit möglichen Nutzungskooperationen zwischen energieintensiven Tourismusbetrieben im Schwarzwald und Biogasanlagen, sodass deren Effizienz über das Auslaufen der Festvergütung hinweg Bestand haben kann. Felix Saur promoviert bei Professor Jens Weber über Selbsterregte Radsatz-Torsionsschwingungen von Schienenfahrzeugen mit hoher Kraftschlussausnutzung. Neben seiner Promotion arbeitet er bei der PROSE AG in Winterthur, die sich auf die Messung dieses technischen Problems spezialisiert hat.